Freitag, 15. September 2006 - 16.00
FC Itzaes-Yucatán - Jaguares de Tabasco
Estadio Olimpico Carlos Iturralde Rivero / Merida
3. Liga Mexiko
1:0

Erholt wie aus einem echten Urlaub konnte es so weitergehen per Bus über die Grenze nach Mexiko (über die freche Ausreisegebührt hatte ich mich ja schon eingangs ausgelassen) ins Grenzstädtchen Chetumal und per ADO-Abzockerbus weiter in den Norden zum Vorletzten Etappenziel Merida, wollte ich doch unbedingt noch das große Estadio Olimpico mitnehmen. Genialer Weise findet man im Internet die Spielpläne der Ligen 1, 2 und 4 lückenlos, muss aber bei Informationssuche zu Liga 3 auf andere Mittel zurückgreifen. Letztenendes konnte nach gut 20 verschickten elektronischen Briefen die Information erhalten werden, dass der heimische FC Itzaes-Yucatan tatsächlich am Samstag ein Heimspiel austrägt und am Sonntag dann Cancun 86 im gleichnamigen Stadion spielt. Genau wie erhofft, Traumlos zum Abschluss also. Spätnachts war man in einmal mehr in Merida, wo im Hotel Cenurio II für n Appel und n Ei eingecheckt und unter den üblich widrigen Umständen genächtigt wurde. Und dann war es auch schon wieder so weit:
Um 14 Uhr Anstoss laut meiner Informationsquelle, stand ich nach ewiger Suche eine Stunde vor vermeidlichen Kickoff endlich im Ground und kein Mensch da. Das darf doch nicht wahr sein. Doch nach ersten Anzeichen eines Herzinfarktes konnte mich der Bierlieferant aufklären. Ankick wäre wegen der großen Hitze auf 16 Uhr verlegt. Ob das was hilft, na ja... Also noch ein wenig im Nahegelegenem Park abgeasselt und das Baseballstadion begutachtet konnte es losgehen. Nicht ganz 1.000 Interessierte waren am Vortag zum Mexikanischen Independentsday (welcher in etwa so gefeiert wird, wie bei uns Neujahr, sprich über Nacht in den Tag hinein. Höhepunkt ist dann nachts um kurz nach zwei. Zu dieser Uhrzeit wurde nämlich Mexiko offiziell als unabhängige Staatsform erklärt) erschienen um mit mir die heutige Partie in dritthöchster Spielklasse zu verfolgen. Ein knappes Dutzend Auswärtsfans aus dem südlichen Chiapas waren mit einem Überdimensionalen Megafon, welches allerdings nicht einmal benutzt wurde, auch angereist. Höhepunkte im Spiel war das Megaunwetter mit Zunamiähnlichen Regenfällen, die das Zuschauerzahl kurzfristig auf 3 Personen dezimierte, da der Rest neben einem weiteren Zuschauer dem Biermann und mir, es vorzogen sich irgendwo unterzustellen. Durch den Megaregen wurde es doch tatsächlich auch ein wenig kühl und ich durfte nach fast drei Monaten das erste mal wieder so etwas wie frieren. Auch eine interessante Erfahrung nach so langer Zeit. Dafür kam man mit dem Unwetter-Mitstreiter ins Gespräch der sich als Arzt vorstellte und mich später noch mit seinem Rennwagen netterweise zurück zum Zentrum kutschieren sollte. Ach ja, Fußball war ja auch noch, wenn auch nur Magerkost. Schon in Erwartung an das nächste 0:0 viel in der Verlängerung dann tatsächlich noch ein Zufallstreffer für die Heimelf. Bereit zum Abmarsch – doch seltsamer Weise war ich da wohl alleine. Alle Zuschauer (mittlerweile war der Rest wieder zurückgekehrt) blieben sitzen genauso wie die Spieler auf dem Feld. Ja was denn los? Als die Mannschaften sich dann zum Elfmeter aufstellten zweifelte ich wahrlich an meinem Fußballsachverstand. Schnell wurde ich aber durch Herrn Doktor persönlich aufgeklärt, das man sich in dieser Spielklasse Ligaintern auf ein kleines Turnier verständigt hatte, mit welchem die beste Elfmetermannschaft ausgespielt werden soll. So folgt nach jedem Ligaspiel noch ein Elfmeterschießen, welches allerdings weiter keinen Einfluss auf die Liga selbst hat – Ah ja... Auf Ideen kommen manche.
Nachdem das unspektakulärste Strafstoßschießen das ich bisher gesehen hatte auch vorüber war, konnte ich nun im orangenen Rennwagen vom scheinbar nicht allzu schlecht verdienenden Oberarzt in die Stadt fahren lassen und die letzten Stunden bis zur Abfahrt des Busses noch ein wenig an den bereits beschriebenen Feierlichkeiten teilnehmen. Punkt Mitternacht hieß es für mich dann Abfahrt zum letzten Ziel der Reise: Cancun

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