Erholt
wie aus einem echten Urlaub konnte es so weitergehen per Bus über
die Grenze nach Mexiko (über die freche Ausreisegebührt
hatte ich mich ja schon eingangs ausgelassen) ins Grenzstädtchen
Chetumal und per ADO-Abzockerbus weiter in den Norden zum Vorletzten
Etappenziel Merida, wollte ich doch unbedingt noch das große
Estadio Olimpico mitnehmen. Genialer Weise findet man im Internet
die Spielpläne der Ligen 1, 2 und 4 lückenlos, muss aber
bei Informationssuche zu Liga 3 auf andere Mittel zurückgreifen.
Letztenendes konnte nach gut 20 verschickten elektronischen Briefen
die Information erhalten werden, dass der heimische FC Itzaes-Yucatan
tatsächlich am Samstag ein Heimspiel austrägt und am Sonntag
dann Cancun 86 im gleichnamigen Stadion spielt. Genau wie erhofft,
Traumlos zum Abschluss also. Spätnachts war man in einmal mehr
in Merida, wo im Hotel Cenurio II für n Appel und n Ei eingecheckt
und unter den üblich widrigen Umständen genächtigt
wurde. Und dann war es auch schon wieder so weit:
Um 14 Uhr Anstoss laut meiner Informationsquelle, stand ich nach ewiger
Suche eine Stunde vor vermeidlichen Kickoff endlich im Ground und
kein Mensch da. Das darf doch nicht wahr sein. Doch nach ersten Anzeichen
eines Herzinfarktes konnte mich der Bierlieferant aufklären.
Ankick wäre wegen der großen Hitze auf 16 Uhr verlegt.
Ob das was hilft, na ja... Also noch ein wenig im Nahegelegenem Park
abgeasselt und das Baseballstadion begutachtet konnte es losgehen.
Nicht ganz 1.000 Interessierte waren am Vortag zum Mexikanischen Independentsday
(welcher in etwa so gefeiert wird, wie bei uns Neujahr, sprich über
Nacht in den Tag hinein. Höhepunkt ist dann nachts um kurz nach
zwei. Zu dieser Uhrzeit wurde nämlich Mexiko offiziell als unabhängige
Staatsform erklärt) erschienen um mit mir die heutige Partie
in dritthöchster Spielklasse zu verfolgen. Ein knappes Dutzend
Auswärtsfans aus dem südlichen Chiapas waren mit einem Überdimensionalen
Megafon, welches allerdings nicht einmal benutzt wurde, auch angereist.
Höhepunkte im Spiel war das Megaunwetter mit Zunamiähnlichen
Regenfällen, die das Zuschauerzahl kurzfristig auf 3 Personen
dezimierte, da der Rest neben einem weiteren Zuschauer dem Biermann
und mir, es vorzogen sich irgendwo unterzustellen. Durch den Megaregen
wurde es doch tatsächlich auch ein wenig kühl und ich durfte
nach fast drei Monaten das erste mal wieder so etwas wie frieren.
Auch eine interessante Erfahrung nach so langer Zeit. Dafür kam
man mit dem Unwetter-Mitstreiter ins Gespräch der sich als Arzt
vorstellte und mich später noch mit seinem Rennwagen netterweise
zurück zum Zentrum kutschieren sollte. Ach ja, Fußball
war ja auch noch, wenn auch nur Magerkost. Schon in Erwartung an das
nächste 0:0 viel in der Verlängerung dann tatsächlich
noch ein Zufallstreffer für die Heimelf. Bereit zum Abmarsch
doch seltsamer Weise war ich da wohl alleine. Alle Zuschauer
(mittlerweile war der Rest wieder zurückgekehrt) blieben sitzen
genauso wie die Spieler auf dem Feld. Ja was denn los? Als die Mannschaften
sich dann zum Elfmeter aufstellten zweifelte ich wahrlich an meinem
Fußballsachverstand. Schnell wurde ich aber durch Herrn Doktor
persönlich aufgeklärt, das man sich in dieser Spielklasse
Ligaintern auf ein kleines Turnier verständigt hatte, mit welchem
die beste Elfmetermannschaft ausgespielt werden soll. So folgt nach
jedem Ligaspiel noch ein Elfmeterschießen, welches allerdings
weiter keinen Einfluss auf die Liga selbst hat Ah ja... Auf
Ideen kommen manche.
Nachdem das unspektakulärste Strafstoßschießen das
ich bisher gesehen hatte auch vorüber war, konnte ich nun im
orangenen Rennwagen vom scheinbar nicht allzu schlecht verdienenden
Oberarzt in die Stadt fahren lassen und die letzten Stunden bis zur
Abfahrt des Busses noch ein wenig an den bereits beschriebenen Feierlichkeiten
teilnehmen. Punkt Mitternacht hieß es für mich dann Abfahrt
zum letzten Ziel der Reise: Cancun
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