Freitag, 2. September 2005 - 16:00 Uhr
Bosnien-Herzegowina U21 - Belgien U21
Grbavica / Sarajevo
2. Liga Serbien-Montenegro
1:1
Dies ist ein Ausschnitt aus einem kompletten Tourbericht, welcher hier beginnt. Im Bericht kann man mit den Pfleilen jeweils zu Anfang und Ende des Bericht-Abschnittes weiter- oder zurückblättern.

[<<<]...Nach recht reibungsloser Grenzkontrolle war man mit dem neuen Morgen auch schon in Bosnien-Herzigowina. Eigentlich hätte ich ja an dieser Stelle nach Albanien wollen aber der gute alte Brötchengeber zu Hause will einen ja auch nicht zu lange missen und so hieß es also sich langsam Richtung Heimat zu orientieren, aber we-nigstens sollte noch ein Länderpunkt fallen. Und so stand man nach zehn Stunden fahrt morgens um sechs vor den Toren Sarajevos. Am entferntesten aller Busbahn-höfe haben se uns rausgekickt - klar - mit den Serben kann man's ja machen. Also erst mal rein in die Stadt und doch langsam recht gerädert keinen Bock auf lange Suche und rein in die erste Billigbude. Die war für 20 KM (nicht Kilometer, die Herren! "Konvertierbare Mark" - 1KM=0,50€) verhältnismäßig teuer, dafür aber der letzte Ab-schuss. In einer kleinen Wohnung waren 4 etwa 15qm-"große" Zimmer mit 4 Stock-betten vollgestopft, also jeweils 8 stinkende Backpackersaffen pro Stall und in der ganzen Bude verstehste dein eigenes Seufzen nicht vor lauter Kaugummi-in-der-Fresse-Tommies-Geschrei. Rein und gleich links über den Berg Rucksäcke an den vergilbten Tennissocken von dem so penetrant schnarchenden Neuseeländer vorbei in die angetrockneten Ketchupreste getreten, noch schnell übern Tisch klettern und ich war hinten, in der letzten Ecke wo noch n "Bett" frei war. Klasse. Denn Tommies gefällt's natürlich klasse - so richtig Adventure - und heut abend probiern wir dann mal Alkohol aus, ok - die Klosterschule is ja so weit weg und Moaaaaam and Däää-äääd erfahren das nie....
Genug jetzt. Zu erwähnen bleibt das für die insgesamt 32 Bewohner dieses Affen-stalls ganze zwei Duschen zur Verfügung standen die selbstverständlich auch gleichzeitig die einzigen Toiletten beinhalteten. Aber lassen wir das jetzt. An Schlaf war eh nicht mehr zu denken also raus in die Statt und die Lage gepeilt. Als einzige Möglichkeit direkt (also sozusagen einzige in notwendiger Zeit mögliche) Verbindung zurück in die Heimat stellte sich nach ein wenig Suchen die Eurolines-Verbingung am Samstag Nachmittag raus. Ach nö - können die Mockel nicht n paar Stunden später fahren, war doch eigentlich noch für Samstag Nachmittag Fußball geplant. Na gut, dann bleibt es halt beim U21-Kick. Also das Wucherticket Sarajevo-Nürnberg von Eurolines für 143 KM geholt. Der Rest des Tages wurde dann im Internetcafe mit dem Schreiben des ersten Teils dieses Berichts verschwendet.
Neuer Tag neues Glück. Mittlerweile hat sich etwas die Unmotivation bei mir breit-gemacht, sodass ich nicht mal mehr Bock hatte für die letzte Nacht noch mal umzu-ziehen, also noch mal nen KM-20er für ne Verlängerungsnacht in besagter Herberge geblecht und raus in die Stadt. Nochmal n bisschen Internet und was Essen und dann endlich mal was ganz was anderes: Fußball natürlich!
Im Vorfeld zum am Tag darauf folgenden Länderspiels fast schon traditionell die sel-bige Partie in U-21-Ausgabe. Als Spielort wurde hierfür das Grbavica in Sarajevo gewählt, der eigentlichen Heimat des Bahner-Vereins FK Zeljeznicar, unweit des seit der Kosovo-Krise berühmten Holiday-Inn-Hotels, welches zu dieser Zeit als Hauptun-terkunft der Korespotenten und Journalisten diente. Für 5 KM erstand man sich ein Ticket und enterte den Ground in welchem die eine Hintertortribüne wohl das wuch-tigste Gebilde ist. Im Gesamten ein recht abwechslungsreicher Ground. So findet man neben einer modernen und steil gebauten Tribüne mit neuen Plastiksitzschalen in Blau und Weiß hinter dem einen Tor auf gegenüberliegender Seite alte und schlichte Steinstufen, wie auch auf der Gegen-Längsseite. Als Haupttribüne dienen dann zwei einzelne, überdachte und recht winzige (gerade mal fünf Reihen fassen-de) Tribünen. Augenmerk ist auch die alte, in der Gegenseite abgestellte Dampflo-komotive.
In einem weniger spektakulär beginnenden Kick ging Belgien nach gut 25 Minuten in Führung. Das Spiel plätscherte so weiter vor sich hin, bis eine viertel Stunde vor Schluss endlich mal Tempo rein kam. Die Bosnier setzten nun alles daran, doch noch zu punkten, nachdem die Belgier in Hälfte zwei durch zwei rote Karten stark geschwächt wurden. Am Ende gelang das dann auch mit dem Ausgleichstreffer und gleichzeitigem Endstand zum 1:1 knapp zehn Minuten vor Schluss der Partie.
Damit war dann also auch das letzte Spiel der Tour vorüber und mit der Bilanz von 31 Toren in den 10 Spielen innerhalb von 16 Tagen gönnte man sich zum Abschluss noch ein gutes Abendessen mit ein paar Bierchen, bevor es eine letzte Nacht auf der angemieteten Pritsche in Mitten besoffener Vollidioten-Ammis auszuhalten gab. Am nächsten Tag ging es dann nach kurzem Einkaufsbummel mit Proviant für die Heim-reise und einem Mittagessen zum Busbahnhof. Auf dem Weg dorthin ein weiteres mal der Beweis, dass die Welt doch verdammt klein ist, so wurde ich von hinten an-gestupst und wollte schon ausholen, als ich ein bekanntes Gesicht vor mir stehen sah. Nach kurzem überlegen war es dann auch schon klar: Bei dem unerwarteten Besucher handelte es sich um den noch vor ein paar Tagen in Athen kennen gelern-ten belgischen Journalisten, welchen mein Erscheinen mitten in Sarajevos Innenstadt wohl noch weitaus mehr verblüfft. Kurzerhand setzte man sich noch auf eine Gers-tenkaltschale zusammen, bevor es für mich weiter zum Busbahnhof und für meinen neuen belgischen Kollegen zum Interviewtermin ins Holiday-Inn ging. Logischerweise war der Belgier heute wegen des Länderspiels der Belgier zu gegen, welches meiner einer leider nicht mehr fröhnen konnte. Die letztmögliche Verbindung in die Heimat wartete. Und so ging es ein wenig später mit einer netten, aus Göttingen stammen-den Sitznachbarin, über Kroatien, Slovenien und Österreich mehr oder minder erhol-sam zurück in die Heimat, welche man dann auch nach 22 Stunden Fahrtzeit am Sonntag Nachmittag erreichte.
Fazit der Tour: Auf alle Fälle genial und mit 5 neuen Länderpunkten auch absolut erfolgreich. Für die gesamte Strecke Nürnberg-Athen-Nürnberg auf dem Landweg über die beschriebenen Stationen benötigte man am ende eine reine Fahrtzeit von 107 Stunden und 32 Minuten für die es insgesamt jeweils auf den aktuellen Eurokurs umgerechnet 278,10 Euro zu investieren gab. Hinzu kamen noch die 9 Übernach-tungen mit einem Gesamtpreis von 113 Euronen. Zusammen mit den an sonsten anfallenden Kosten wie Eintrittspreise, Verpflegung etz. Konnte die Tour mit einem Buget von 550,-- Euro soweit problemlos über die Bühne gehen.
Der reine Reiseweg errechnet sich auf etwa 5.400 km , was bei einer gesamten Rei-sedauer von 15 Tagen und 14 Stunden etwa 348 km pro Tag entspricht. Wer auf wei-tere Rechnereien steht, der weis dann auch, dass die durchschnittliche Reise-geschweindigkeit auf dieser Strecke bei fast genau 50 Stundenkilometer liegt, wer auf schnelle Gefährte steht, muss wohl wo anders hinreisen.