Dienstag, 23. August 2005 - 20:00 Uhr
Partizan Beograd - Artmedia Bratislava
Partizan / Beograd
Champions-League Qualifikation (3. Runde)
3:4 n.E. (0:0)

Dies ist ein Ausschnitt aus einem kompletten Tourbericht, welcher hier beginnt. Im Bericht kann man mit den Pfleilen jeweils zu Anfang und Ende des Bericht-Abschnittes weiter- oder zurückblättern.

[<<<] Tags drauf dann erstmals spielfrei, also alles schoen ruhig angehen. Man hat ja schliesslich Urlaub. Also erstmal zum Bahnhof und das Ticket fuer den Nachtzug nach Beograd klarmachen. Danach gings auf die Suche nach den ach so bekannten Ungarischen Termbaedern die hier bloss keiner zu kennen scheint. Anstatt ein Schwimmbad fand man eine Studentenmensa mit kostenlosem (!) Internetzugang, was natuerlich bei einem dieser widerwaertigen Kaffee schamlos ausgenutzt wurde, wenigstens war man hier im trockenen. Toller Sommer! Den restlichen Tag vergammelte man mit durch Buda und Pest latschen, in Strassencafes und schliesslich im Pub hocken. Dann war aber auch schon wieder Zeit fuer den naechsten Nachtzug, diesmal nach Beograd. Im rappelvollen Zug ergatterte man den letzten Sitzplatz neben, wie sich herrausstellte, zwei Studenten aus Berlin die auf einer dreimonatigen Reise bis in den Iran waren, sowie drei aelteren Damen. Diese waren groesstenteils damit beschaeftigt in dem kleinen Abteilraum ordentlich auszuduensten und jeden zurecht zu weisen, der auf den gar grausamen Gedanken kam, mal ein wenig das Fenster zu oeffnen. Nach etwa ner halben Stunde war es schlichtweg nicht mehr auszuhalten und meiner einer trat die Flucht auf den Zuggang an, wenig spaeter gefolgt von dem Berliner Duo mit denen man nun die Nacht teils stehend, teils sitztend am Gang verlaberte. Kurz vor der Grenze ergatterte ich dann doch noch ein freigewordenes Plaetzchen in einem nicht ganz so heftig duftendem Abteil. Mit gut einer Stunde Verspaetung erreichte man dann gegen acht Uhr die Serbische Hauptstadt und machte sich umgehend auf die Suche nach einer Bleibe, die man nach einem Kaffee und dem Eindecken mit Stadtkarten in einem Stu-dentenwohnheim fuer umgerechnet neun EUs die Nacht fand. Ich fuer meinen Teil machte mich dann mal auf ins naechste Internetkaffee, welches sich im 13. Stock eines Hochhauses fand. Hier konnte man dann endlich die Terminierung fuer das Athenderby finden und die Tour ein Stueckchen weiterplanen. Auf dem Rueckweg mit dem Aufzug in das Erdgeschoss passierte dann das, worueber man schon als Kind immer die tollsten Horrorgeschichten hoert. Der Aufzug blieb irgendwo zwischen Stockwerk sieben und acht stecken und bewegte sich von nun an alle paar Minuten ruckartig nach unten. Den mit im Aufzug stehenden Leuten um mich rum schien das aber nicht weiter zu stoeren, packten ihre Zeitschriften aus den Taschen, telefonier-ten oder beschaeftigten sich anderweitig, als wuerden sie nicht viel mehr als auf den Bus warten. Scheint hier wohl oefter vorzukommen. Ich fuer meinen Teil war ein weitaus gluecklicherer Mensch als wir nach einer guten Viertelstunde den Aufzug im Erdgeschoss auf normalen Wege wieder verlassen konnten. Nach diesem Schock erst mal n Sandwich und zurueck zur Herberge wo man nun endlich einchecken konnte. Per pedes ein wenig die Stadt erkundet und im Park rumgesessen ging es dann gegen fuenf in Richtung Stadion. Eben noch eines der letzten Tickets fuer verhaeltnissmaessig schweine teuere 1.000 Dinar (etwa 14 Euronen) erstanden und rein in die Butze.
Nachdem die Schuessel immer voller wurde und ich nen scheiss Platz hatte schmuggelte man sich eben auf die Logenplaetze. Zwar gabs auch da keinen Sitz-platz aber immerhin bessere Sicht. Schon Stunden vorm Anpfiff war die Bude gut voll und bis zum Anpfiff duerften es dann gar noch ein paar Tausend mehr gewesen sein als die offiziell angegebenen 30.887 Zs. Schliesslich stand das ganze Stadion und war trotzdem rammelvoll. Von der Stimmung her dann eben das, was man von Parti-zan erwarten kann. Wahnsinn einfach. Da macht einfach jeder einzelne Laerm was geht. Sehr imposant ist auch das Pfeifkonzert, wenn einer der gegnerischen Spieler auf das Feld kommt, um sich warmzumachen. Die komplette Atmosphaere halt Gaensehautfeeling pur. Scheiss egal ob ohne Dach und mit Laufbahn. Da erzaehlt mir noch mal einer in Deutschland, dass in der Szene X und Y die Stimmung halt wegen der "schlechten Akkustik des Stadions" untergeht - ja sind wir denn beim Symphonieorchester. Bitte nach Belgrad fahren und selbst anschauen! Ein Intro als solches gab's dann nicht, halt ein Mix aus Einklatschen, Schalparaden, Bengalen hier und da und eben der ganzen Palette, sowie halt auch schon vorm Spiel und vor allem waehrend des Spiels auch. Ueberraschender Weise waren auch etwa 20 Na-sen aus Bratislava anwesend. Hat der Kommerzverein durch seine Meisterschaft nun doch mal n paar Fans gewinnen koennen. Dass die paar Hansel in dieser Hoelle nicht weiter auffielen, muss nicht weiter erwaehnt werden. Also Stimmung Top und Spiel flop - zumindest die erste Stunde. Danach wurde so langsam auch ein 0:0 spannend, da ja auch das Hinspiel torlos endete und so eine Entscheidung erzwun-gen werden musste. So langsam aber sicher begannen beide Teams zu fighten, wo-bei die Hausherren ein ganzes Stueck besser aussahen. Was allein schon in den ersten 60 Minuten an Chancen vergeben wurden, haeufte sich jetzt zu einem abnor-malen Ausmass. So viel Pech am Stueck war echt nicht normal und Bratislava darf dem Herren wohl noch ueber mehrere Generationen dankbar sein, dass es auch in den folgenden 30 Nachspielminuten Partizan nicht vergoennt war, den X 100%igen Chancen Erfolg abzuernten. Und so ging es als logische Kosequenz ins Elfmeter-schiessen. Was hier nun los war, kann man kaum in Worte fassen und sich auch si-cher nicht vorstellen, wenn man selbst nicht vor Ort war. Bei jedem Elfer der Slowa-ken hallte ein ungeheuerliches Pfeiffkonzert durch das Stadion, dass es in den Ohren schmerzte, gefolgt von Boellern und sonst allem was Krach macht. Einfach der Wahnsinn. Und trotz allem bewiesen die Jungs aus Petrzalka wahre Nerven. Der wohl einzige Grund den man anfuehren koennte, wolle man von einem gerechtfertig-ten Sieg sprechen. Am Ende war also Bratislava beim vierten Elfmeter der Sieger, wenn auch alles andere als verdient. Dementsprechend frustriert waren die 30.000 Fanatiker im Stadion und so fand die ein oder andere Sitzschale ihren Weg ins Sta-dioninnere. Wirklich boese war man der Mannschaft aber sichtlich nicht, hatten diese ja wirklich alle gegeben. Bratislava jedenfalls ist damit der erste Verein der Slowaki-schen Fussballgeschichte, der ueber die CL-Qualifikation in die Hauptrunde einzieht.
Noch immer fasziniert von dem erlebten (ein Beograd-derby ist fest vorgenommen) verlatschte man sich vorm Stadion doch gleich, fand sich aber bald wieder am Auto-put wo es dann eben zu Fuss die restliche Strecke in die Stadt gehen sollte. Eben noch den McDonalds-Laenderpunkt gemacht und ein Bier hinterhergeschuettet, strich man gegen eins die Segel.
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Dies ist ein Ausschnitt aus einem kompletten Tourbericht, welcher hier beginnt. Im Bericht kann man mit den Pfleilen jeweils zu Anfang und Ende des Bericht-Abschnittes weiter- oder zurückblättern
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