Samstag, 20. August 2005
Slavia Praha - FK Jablonec
Evzena Rosickeho / Praha
1. Liga Tschechei
3:2

Endlich mal wieder ne ordentliche Tour mit Dreh- und Angelpunkt Athenderby für welche etwas über zwei Wochen veranschlagt wurden. Die Planung kippte ja schon X-mal bevor es denn überhaupt los ging. Krakauderby wurde auf unbekannt verlegt, der Rumaenien-LP liegt auf Eis, da Timisoara auf Samstag verschoben, Athenderby nicht terminiert, keine Anstosszeiten im UEFA-Cup und so weiter. Als es dann schliesslich los ging, hatte ich letzten Endes zwar das ein oder andere Spiel anvisiert, aber eben keinen wirklich konkreten Plan - der wird sich auf der Reise schon erge-ben (müssen). Also auf in die wohl schlechtest organisierte Tour die ich bis dato un-ternommen hatte:
Wir schreiben Samstag den 20.08.2005, der Tag ist noch keine 2 Stunden alt und waehrend normale Menschen dem Barkeeper in der Disko die Bestellung zum 17ten Wodka-Redbull ins Ohr brüllen, entsteige ich nach zwei knappen Stunden Schlaf wieder meinem Gemach, um mich von der besseren Haelfte zum Bahnhof kutschie-ren zu lassen. Mille Grazie, Abschied, Handkuss, rein in den Bahnhof, noch eben im Internetcafe nen Kaffee reingeschüttet und los gings mit dem Nachtzug pünktlichst um 2.35 gen Praha. Fahrkarte hatte ich bis Cheb für einigermassen faire 26 Euronen am Automaten erstanden. Nach der Grenze dann bei der Schaffnerin bis in die Hauptstadt gelöst und 175 Kronen gezahlt. Sind wir bei rund 32 Euros. Das Kom-plettticket von Nürnberg nach Praha haette in D-Land 46 Kröten gekostet. Echt ne Frechheit dieser scheiss Internationalaufschlag. Noch n bisschen weitergepennt und schon war 8.15 Uhr und ich in der goldenen Stadt. Grund der Nachtzugnutzung war ja auch noch eines der 10.15-Spiele mitzunehmen, was alles recht spontan ent-schieden wurde und ich keinen Plan hatte, wohin es denn nun gehen sollte. Also gleich mal die nächste Sportgazette geholt und da lockte doch die Ansetzung von Bohemians Praha gegen Tatran Prachatice. Na dann. Hätte mir zwar schwoeren trauen, beim letztwoechigen Besuch in Karlovy-Vary vernommen zu haben, die wuerden zum genannten Zeitpunkt bei Bohemians auflaufen, aber man kann sich ja auch mal irren. Also noch schnell nen Kaffee und ab in den Süden zum Dolicek im 10. Bezirk; der Heimat Bohemians. Doch ne gute halbe Stunde vor Anpfiff kein Schwein da. Also defenitiv: Hier ist nie und nimmer um 10.15 n Match. Auch in ne-benliegender Spelunke wurde das nochmal bestaetigt. Laut Wirt wird erst morgen um 17h gespielt - und zwar gegen Karlovy-Vary... Hab ichs mir doch gedacht, doch was luegt denn da die Zeitung rum? Naja, lange Rede kurzer Sinn: wenig spaeter ent-deckte man die Meldung im Internetcafe. FC Strížkov Praha 9 hatte sich den nicht geschützten Namen Bohemians angeeignet, woraufhin der Verein zwar erst mal aus der Liga gekickt wurde, mittlerweile durch eine einstweillige Verfuegung aber wieder Kicken darf. Und zwar unter den Namen Bohemians Praha, waehrend das Orginal unter den vollen Namen "Bohemians 1905" auflaeuft. Zumindest so aehnlich... Die ham se doch nicht mehr alle. Ausweichmaessig war weder das am anderen Ende der Stadt liegende Strizkov, also der Bohemians-Fake, noch ein anderes Ausweichspiel pünktlich zu erreichen, wobei man es dann halt dabei belies eben Pech gehabt zu haben. Gelungener Tourstart also. Ganz ohne Fussball sollte der heutige Samstag aber auch nicht sein, schliesslich war da ja noch das Erstligamatch von Slavia um sechs. Und nachdem man sich das Ticket fuer den Nachtzug nach Budapest fuer happige 1100 Kronen (= 39 €) geholt und den Rest des Tages bei ein paar Pivo am Adeli abgegammelt hatte, war's dann auch schon soweit.
Und hier wurde man wenigstens ordentlich entschaedigt fuer den etwas vergeigten Morgen. Wie sich es am Ergebniss schon erahnen laesst, wurde man Zeuge eines genialen Spiels. Jablonec nutzt die noch schlafende Abwehr in den ersten drei Minu-ten gleich zweimal aus und geht durch den fruehen Doppelschlag mit 0:2 in Fueh-rung. Nachsetzten konnten die Gaeste aus dem Norden allerdings nicht weiter, aber auch Slavia kam nicht so recht ins Spiel und so blieb es beim 0:2 zur Pause. Mittler-weile hatte es angefangen, Bindfaeden zu pissen, was in der 2. HZ kein wirkliches Fussballspiel zuliess und so war von einem Auswaertssieg auszugehen, bis es je-doch in etwa der 60. Minute das pissen so urploetzlich aufhoerte wie es angefangen hatte. Und keine paar Minuten spaeter schiesst Slavia sein erstes Tor, was eine ge-niale Aufholjagd einlaeutete. Diese endete schliessliech beim unerwarteten 3:2-Sieg der Slaven. Das nenn ich doch mal Fussball. Auf den Raengen hingegen war es recht ueberschaulich. Nicht ganz 3300 Zuschauer hatten sich bei kuehlen Tempera-turen eingefunden, zehn Leutchen zaehlte man im Gaesteblock, die lediglich bei den zwei Toren zu vernehmen waren. Slavia wie immer im Oberrang ihrer Heimkurve mit etwa 100 Supportwilligen, die aber auch erst zum Ende des Spiels richtig loslegten, was wohl am Spielverlauf gelegen haben duerfte.
Nach dem Match gings also wieder mit dem Bus runter vom Strahovhuegel und wei-ter mit der Metro zum Wenzelsplatz. Noch eben die letzten Kronen in Pivo investiert und puenktlich um 23.23 war Abfahrt.
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