Sonntag, 10. Oktober 2004 _ 11:00 Uhr
SV Waldhof Mannheim II - SV Schwetzingen
Seppl-Herberger-Stadion / Mannheim
Landesliga Nordbaden Rhein-Neckar
Der Herbst ist da und schon zwickt und zwackt es hier und da. Triefnase hin oder her - einen freien Sonntag habe ich selten genug und so sollte dieser auch angemessen genutzt werden. Da die Arbeit bis in die heutigen Morgenstunden andauerte blieben nur vier recht kurze Stündchen Schlaf bis ich mich schon wieder auf der Autobahn befand; diesmal ganz alleine, da sich von Nürnberg aus kein Begleiter mehr fand (waren ja alle entweder auf kompletter WE-Tour oder eben mit diversen Länderspielen beschäftigt). Zwei Spiele sollten es an diesem kühlen Feiertag werden und Match Nummer eins führte mich direkt nach Mannheim, in welchem man nun eine gute dreiviertel Stunde mit dem Suchen des Seppl-Herberger-Stadions, der ehemaligen Wirkungsstätte des SV Waldhof Mannheims. Dieses liegt zwar direkt im Stadtteil Waldhof, was vom Stadtzentrum aus als garnicht so leicht zu finden herrausstellte.
Zehn Minuten vor Anpfiff betrat ich den Ground vorerst über den Zaun, da sich keine offene Türe oder ein geöffneter Einlaß zu den unüberdachten Stehrängen ausmachen ließ. Ausschließlich die überdachte Haupttribüne war für den heutigen Besuch bestimmt. So machte man eben schnell sein Foto, entfloh dem Stadion wieder über selbiger Zaunstelle und suchte den richtigen Eingang, welchen man im Spielertunnel der Tribüne fand - da soll einer draufkommen... So konnte man also doch seinen Sportgroschen an den arg geschundenen SV abgegeben werden. Zu besseren Zeiten machte sich der Sportbürgermeister der Stadt gedanken, ob das Seppl-Herberger-Stadion (welches natürlich einen wunderschönen Namen trägt) für Oberligaspiele zumutbar währen. Dieser meinte zu hiesigen Tagen die Amateurelf der Waldhöfer. Nach dem finanziell bedingten Lizenzenzug des Vereins und des damit verbundenen Zwangsabstieges der ersten Mannschaft in die Oberliga Baden-Württembergs war die Sache damit gegessen. Waldhof spielt weiterhin im Carl-Benz-Stadion und die zweite Garnitur im alten Waldhofstadion - für die Landesliga, hierzu Gegend die sechste Liga, reicht es alle mal. Zum Glück muß man sagen, denn sonst wär das schmucke Stadion gänzlich dem Verfall überlaßen. Es dürften vielleicht 50 Seelen gewesen sein, die dem Sonntag Vormittags Kick gegen den aus dem Mannheimer Vorort Schwetzingen stammenden Sportverein beiwohnten und es sind wohl auch sonst nicht mehr. Die dadurch nie benutzten Stehstufen (an der Zahl etwa zwanzig) ringsum sind daher schon stark gekennzeichnet und die Natur erfreut sich ihren freien Laufs. So wuchert neben hüfthohem Steppengras und Knallerbsensträucher auch schon das ein oder andere kleine Bäumchen auf den einst lediglich mit Erdreich aufgeschütteten Stehrängen. Die überdachte Tribüne auf einer der längsseiten erfreut sich da noch besserer Gesundheit. Das schräg ansteigende Wellblechdach hält die hohen, mit Holzbänken bebauten Betonstufen trocken. Die Sitzplätze sind durch eine kleine Passage vertikal in einen oberen und unteren Teil getrennt und nur durch den Einschnitt beim bereits oben genannten Spielertunnel in in ihrem durchgängigen Muster unterbrochen. Neben den üblichen Wellenbrechern auf den restilichen Stehstufen findet man sogar einen seperat abgetrennten Gästeblock. Nur ein Flutlicht hat das Stadion keins.
Bei Beginn des Spiels müssen sich meine müden Sehnerven erst einmal daran gewöhnen, daß die Hausherren in einem penetrant orangem Dress auflaufen, während die Gäste aus Schwetzingen in den gewohnten Waldhoffarben in blau und weiß auflaufen - verwirrend! Das Spiel stellt sich schnell zu einem unterklassigen herumgeboltze heraus, wessen häufig unterbrochener, unschöner Lauf nach Halbzeit eins auf nicht viel hoffen läßt. Doch man wird eines besseren Belehrt. Nachdem die Schwetzinger auf 1:3 erhöht hatten und der Torschütze schon wieder der Herr mit dem Südeuropäischen Namen war, läßt dieser seinem zum Namen passenden Temperament freien Lauf und feiert sich ausgiebig vor leeren Rängen selbst auf dem Rasen. Dabei hätte er wohl nun auf diese Einlage mit dem Trikot verzichten sollen. Von diesem erledigte sich besagter Spieler während seines Siegestaumels, was laut aktuellsten Fifa-Richtlinien nunmal eine gelbe Karte einbringt. Blöd dann nur wenn man diese schon hat und ein Sechstliga-Schiri muss sich eben knallhart an die neusten Fifa-Richtlinien halten und so wird dieser vom Platz gestellt (jetzt macht mich bitte nicht fest ob die Regelung wirklich von der Fifa oder nur von der Uefa kommt - Richtigstellungen gerne an mich). Nun gut soweit. Auf jeden Fall spielen die Mannheimer nun gut auf gegen die noch verbleibenden zehn Mann aus S., welche mit ihrer Unterzahl augenscheinlich starke Schwirigkeiten haben und keine Minute später fällt auch schon das 2:3. Jetzt gibt Waldhof II natürlich noch mal alles, doch es sollte nicht langen. Viele Chancen doch im Abschluß fehlte doch immer der entscheidende Tick. So sah man die letzte halbe Stunde also doch noch ein recht unterhaltsames Spielchen und ich machte mich mit Lust auf mehr in Richtung Griesheim auf...